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Welche aktuellen Regeln gelten für Menschen mit Diabetes in Hinsicht auf die Kohlenhydrate??
In den neuesten offiziellen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft wurden gegenüber den früheren Empfehlungen bedeutende Änderungen vorgenommen. Der Grund: neue Erkenntnisse in der diabetologischen Forschung und Klinik machen es erforderlich.
Die Kohlenhydratmenge in der Diabeteskost kann bzw. soll 45-60 % der Gesamtenergie betragen. Ohne genügend Kohlenhydrate ist es keinem Menschen möglich, fit und leistungsfähig zu sein - ob mit oder ohne Diabetes!
Eine höhere Kohlenhydratzufuhr bietet außerdem den Vorteil einer niedrigeren Fettaufnahme, unter der Voraussetzung das die "richtigen" Kohlenhydrate verzehrt werden.
Tabelle 1: "Gute" Kohlenhydrate
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Frisches Gemüse aller Art |
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Fettarme Milchprodukte |
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Kartoffeln |
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Pasta |
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Reis |
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Frisches Obst |
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Salat |
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Vollkorn- Getreideprodukte |
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Hülsenfrüchte |
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Bei diesen Lebensmittel können Sie ganz normal zugreifen. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel sind für den Blutzucker wenig problematisch, wenn sie gleichzeitig Ballaststoffe enthalten oder zu den Lebensmitteln zählen, die einen niedrigen glykämischen Index haben.
Es ist zu beobachten, das ein eine KH-Zufuhr von über 50 % der Tagesmenge sich eher auf den Gesamtstoffwechsel positiv auswirkt und zusätzlich eine starke sättigende Wirkung hat. Das erleichtert Ihnen natürlich die Umstellung und fördert die Gewichtsabnahme.
Viele sind immer noch der landläufigen Meinung, das es in erster Linie darauf ankommt bei Diabetes, möglichst keinen Zucker und wenig Kohlenhydrate bzw. BE´s zu essen.
Um dennoch eine ausreichende Sättigung zu erhalten verzehren viele Patienten mehr Fleisch und Wurstwaren oder andere tierische Produkte die einen sehr hohen Fettanteil haben. Dies führt dann zwangsläufig zu einer höheren Energieaufnahme mit der Folge, das eine Gewichtserhöhung nicht ausbleibt.
Die Gewichtszunahme führt weiterhin zu einer Verschlechterung der Insulinwirkung, Erhöhung der Blutdruckwerte und der Blutfette. Die gesamte Stoffwechselsituation wird zunehmend schlechter, obwohl doch "wenig" gegessen wird. Die Masse ist nicht immer entscheidend, hier kommt es auch auf die Zusammensetzung an!
Aber erfahrungsgemäß fällt es vielen noch schwer, nun mehr Kohlenhydrate zu essen, weil sie es gewohnt waren mit Kohlenhydraten lange Jahre sparsam umzugehen.
Wie steht´s dann mit Süßigkeiten für Diabetiker??
Der Zuckergehalt von Süßigkeiten ist meist das geringere Problem als der weit höhere ungünstige Fettanteil. Süßes enthält häufig Trans-Fettsäuren, die außerdem eine Gefäßerkrankungen begünstigen können.
Speziell für Diabetiker angefertigte Produkte sind nicht notwendig. Der Zuckerersatz, die sogenannten Zuckeraustauschstoffe, sind kein notwendiger Bestandteil in der Diabeteskost mehr. Ihr langfristiger Nutzen hat sich nicht erwiesen. Außerdem haben sie unerwünschte Nebeneffekte und die daraus hergestellten Produkte sind teuer.
Wenn Sie auf Ihr Gewicht achten wollen können Sie jedoch mit Süßstoff süßen. Bei guter Stoffwechseleinstellung kann man durchaus - ab und zu "normale" Süßigkeiten essen.
Was müssen Patienten, die Insulin spritzen, zusätzlich beachten??
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Für Patienten mit konventioneller Insulintherapie, d. h. 2 Insulininjektionen (meist Mischinsulin) oder Insulin vor jeder Mahlzeit:
Hierbei ist es erforderlich das ein weitgehender konstanter Kohlenhydratgehalt in jeder Mahlzeit enthalten ist. Die Kohlenhydrat-Portionen sollen nicht zu knapp ausgewählt werden!!
Die Verteilung der Kohlenhydrate muß den individuellen Bedürfnissen angepaßt werden. Standard-Diät-Pläne sind damit überholt. Für evtl. Hypoglykämien sind immer rasch wirksame Not- Kohlenhydrate z. B. Traubenzucker, Obst, Saft) bereitzuhalten.
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Für Patienten mit der intensivierten Insulintherapie (ICT) bzw. Typ 1 Diabetes:
Da die Insulindosis nach der gewünschten Kohlenhydratmenge bestimmt wird, sollen Sie sicher Kohlenhydrat-Portionen einschätzen lernen.
Wieviel Insulin Sie pro Kohlenhydrat-Portion (= Insulineinheiten pro KH/BE) brauchen, ist sehr unterschiedlich. Dies wird im Rahmen einer Stoffwechseleinstellung bzw. Schulung getestet und intensiv geübt.
Kohlenhydrat-Tabellen (früher BE-Tabellen) sind hierbei eine wichtige Utensilie.
Wichtig ist, dass Sie eine bewußte Auswahl treffen und genügend Kohlenhydrate einbauen. Aber die richtigen Kohlenhydrate sollen es sein. Auch wenn es keine Diät mehr gibt sollen Gemüse, Salate, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nudeln, Reis, Kartoffeln, frisches Obst und fettarme Milchprodukte einen festen Platz in Ihrer Ernährung haben.
Es ist auch hier zu beobachten, dass die meisten Patienten sich schwer tun, viele Kohlenhydrate in einer Mahlzeit zu verzehren. Sie wählen lieber kohlenhydratfreie Lebensmittel, weil sie dann weniger Insulin brauchen.
Das Essen enthält dadurch zuviel tierisches Eiweiß und Fett und wird außerdem einseitig. Dies belastet zusätzlich den gesamten Organismus und kann darüber hinaus diabetesbedingte Folgeerkrankungen Vorschub leisten.
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Diabeteszentrum Heidelberg e.V., November 2003
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