Diabeteszentrum Heidelberg e.V.
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Fasten bei Diabetes- fast gefährlich?

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Die Fastenzeit soll zur Selbstbesinnung genutzt werden und vielleicht eine Änderung der Lebensweise durch Verzicht auf Nahrungs- und Genussmittel herbeizuführen. Viele Menschen nehmen diesen Zeitraum daher zum Anlass, überschüssige Pfunde loszuwerden oder auf liebgewordenen Eßgewohnheiten zu verzichten. Ist dieser Verzicht eingegrenzt, auf weniger "gesunde" Nahrungsmittel oder Angewohnheiten ( wie Süßigkeiten , Kuchen, Alkohol, spätes Essen...), kann dies unproblematisch durchgeführt werden mit meist schon positiven Auswirkungen auf die Stoffwechsellage .

Anders sieht das bei den strengen Formen des Fastens aus:

Fasten oder Nulldiät
Fasten hatte im ursprünglichen Sinne einen religiösen Hintergrund. Die Fastenzeit war zur Reinigung des Körpers und der Seele gedacht und die Verzichtübung war eine Vorbereitung auf religiöse Feste wie Ostern . Die Beweggründe für das Fasten dienen heute für viele Menschen eher zur Behandlung von Übergewicht und ernährungsbedingten Erkrankungen. Die Nulldiät ist die strengste Form des Fastens. Hierbei wird gänzlich auf feste Nahrung verzichtet. Energiefreie Getränke in großen Mengen (drei Liter pro Tag) sind erlaubt. Geeignet sind ungezuckerte Kräuter oder Früchtetees und Mineralwasser. Genussmittel wie Kaffee oder schwarzer Tee sind hierbei nicht vorgesehen. Vitamin- und Mineralstoffpräparate werden ergänzt.

Beim totalen Fasten kommt es zum starken Eiweißverlust. Bei längerem Fasten kann dies ein kritisches Ausmaß erreichen, weil der Abbau der Muskulatur auch das Herz betrifft. Bei Menschen die zu Gicht neigen, kann ein erneuter Gichtanfall ausgelöst werden. Ebenso kann eine vermehrte Bildung von Ketonkörpern durch den Abbau von Körperfett entstehen . Diese Anhäufung von Ketonen kann zu einer Übersäuerung des Blutes führen. Wegen all dieser Risiken wird das totale Fasten meist nur in der Klinik mit ärztlicher Überwachung empfohlen.

Kinder, Schwangere, Stillende, alte Menschen, Personen mit Herz- und Nierenerkrankungen, Menschen mit Leberleiden, untergewichtige Personen, Patienten mit schweren Erkrankungen wie zum Beispiel Krebsleiden dürfen nicht fasten.

Mit tablettenbehandelter Diabetes mellitus Typ 2:
Vor Beginn des Fastens muss mit dem behandelten Arzt abgeklärt werden, welche Medikamente reduziert oder ganz weggelassen werden sollen. Tabletten zur Diabetesbehandlung können bei längerem Fasten meist reduziert o. ganz abgesetzt werden. Medikamente mit dem Wirkstoff "Metformin" sollen bei einer Energieaufnahme unter 1000 kcal/Tag bereits abgesetzt werden.

Bei Insulintherapie
Auch hier gilt die Regel; erst Fasten, wenn mit dem Arzt besprochen wurde welche Maßnahmen zu berücksichtigen sind. Die Insulindosis muss meist stark angepasst werden. Je nach Blutzuckerverlauf wird die Menge und Art des Insulins individuell verändert. Bei Diabetes Typ 1 ist eine zusätzliche Messung der Ketone unbedingt erforderlich um schwere Stoffwechselentgleisungen rechtzeitig zu erkennen.

Allgemein gilt:
Menschen mit Diabetes können grundsätzlich fasten, sofern keine zusätzlichen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-, Nieren- oder Leberleiden dagegen sprechen.

Saftfasten
Bei dieser Variante des Fastens sind neben reichlich Mineralwasser und ungesüßten Kräuter- und Früchtetees auch begrenzte Mengen an Obst- und Gemüsesäften sowie klare Gemüsebrühe erlaubt. Das Saftfasten kann von gesunden Menschen kurzzeitig, zum Beispiel für einen Tag pro Woche, durchgeführt werden.

Menschen mit Diabetes können in Absprache mit ihrem Diabetesarzt diese Form mit Berücksichtigung der Therapieanpassung auch durchführen.

Heilfasten
Heilfasten dient weniger der Gewichtsreduktion als vielmehr der Selbsterfahrung. Die große Beliebtheit des Heilfastens resultiert aus der Verbindung mit dem Begriff "Heilung". Das Vorgehen entspricht im Wesentlichen dem Saftfasten. Es soll chronischen Krankheiten vorgebeugt oder sogar eine "Heilung" erreicht werden. Von Menschen mit Diabetes wird berichtet, dass es während des Fastens zu einem Abfall der Blutzucker- und Blutdruckwerte gekommen ist. Dieser Effekt ist meist auf die Dauer des Fastens begrenzt. Von einer Heilung kann jedoch nicht gesprochen werden. Heilfasten kann eine medizinisch notwendige Therapie nicht ersetzen.

Modifiziertes Fasten
Beim modifizierten Fasten werden neben ca. 2 Litern energiefreier Flüssigkeit täglich noch einen Trunk zu sich genommen, der 30 Gramm hochwertiges Protein enthält. Oft werden noch 50 Gramm Kohlenhydrate und drei Gramm Fett, außerdem Kalzium, Kalium, Natrium und Vitamine zugesetzt, um den Minimalbedarf des Körpers zu decken. Der Vorteil des modifizierten Fastens liegt darin, dass keine großen Mengen an körpereigenem Eiweiß zur Energiegewinnung verbraucht werden müssen. Die Muskeln werden "geschont", dafür wird Körperfett verbrannt. Menschen , die modifiziert fasten, berichten, dass ihre Befindlichkeit besser sei und Begleiterscheinungen wie Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Kreislaufstörungen nicht in dem Maße auftreten, wie sie beim totalen Fasten häufig vorkommen. Diese Form wird oft eingesetzt, wenn vor Operationen schnell Gewicht reduziert werden muss. Manchmal gelingt es auch, bei Menschen mit Diabetes, die stark herabgesetzte Insulinempfindlichkeit mit mehrtägigem modifiziertem Fasten zu verbessern . Solche Versuche, die immer eine Änderung der Diabetestherapie erfordern, sollten nur mit Hilfe erfahrener Ärzte und engmaschiger Kontrolle der Stoffwechselwerte durchgeführt werden.

Ramadan
In diesem Fastenmonat nehmen Muslime während der Tagesstunden keine feste oder flüssige Nahrung zu sich. Erst nach Sonnenuntergang und kurz vor Sonnenaufgang ist je eine Mahlzeit vorgesehen. Chronisch Kranke, wie Menschen mit Diabetes und sehr alte Menschen sind von dieser Regel ausgenommen.

Will ein muslimischer Diabetiker dennoch fasten , müssen die blutzuckersenkenden Tabletten beziehungsweise die Insulindosis, angepasst werden. Tabletten, die nur für die folgende Mahlzeit bestimmt sind, können tagsüber weggelassen und erst wieder zu der Mahlzeit am Abend genommen werden. Präparate aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe werden nicht früh, sondern vor der Abendmahlzeit genommen. Bei zweimaliger Gabe entfällt die morgendliche Tablette.

Bei einer intensivierten Insulintherapie kann zunächst die Basalrate beibehalten werden, bei Gewichtsabnahme wird eine Dosiskürzung meist erforderlich. Das schnell wirkende Insulin wird zu den jeweiligen Mahlzeiten entsprechend der Kohlenhydratmenge gespritzt. Bei konventioneller Insulintherapie muss während des Ramadan die Dosis des Mischinsulins in der Früh verringert werden. Die zweite Injektion erfolgt zum Abendessen nach Anbruch der Dunkelheit, zwar in Abstimmung mit der Größe der Mahlzeit, aber geringer dosiert als sonst. Wichtig bei allen Therapieformen ist vorherige Rücksprache mit dem behandelten Arzt und häufige Blutzuckerkontrollen während dieser Zeit.
Birgit Adam, Diabetesberaterin DDG, Diabeteszentrum Heidelberg e. V.

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