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Der Glykämische Index- was ist das?

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Der Glykämische Index, abgekürzt GI, gilt nur für Lebensmittel die Kohlenhydrate enthalten. Der Glykämische Index teilt kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel nach ihrer blutzuckersteigernden Wirkung ein.

Bereits seit Beginn der 80 er Jahre ist bekannt , dass verschiedene Nahrungsmittel mit gleicher Kohlenhydratmenge zu einem unterschiedlichen Blutzuckeranstieg führen. Diese unterschiedliche Blutzuckerwirkung wird Glykämischer Index genannt. Als Maßstab dient die blutzuckersteigernde Wirkung von Traubenzucker oder Glucose (=100 %). Alle anderen kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittel werden danach bemessen. Das heißt ; ein GI von 50 % bedeutet, dass der Blutzuckeranstieg dieses Lebensmittels nur die Hälfte des Anstieges von Traubenzucker ausmacht.

Definition : Glykämischer Index ( GI)

Der Glykämische Index gibt an , wie schnell ein kohlenhydrathaltiges Nahrungsmittel im Vergleich zu reinem Traubenzucker (= 100 %) ins Blut gelangt. Die Maßeinheit ist %.


Tabelle : Glykämischer Index einiger Lebensmittel (Auswahl)
Produkt GI Produkt GI Produkt GI
Glukose 100 Pfirsich 29 Pasta Vollkorn 44
Honig 91 Pflaume 25 Pasta Hartweizen 33
Haushaltszucker 59 Trauben 45 Reis Vollkorn 59
Fructose 22 Rosinen 64 Reis Instant 88
Banane 62 Joghurt 38 Linsen 29
Golden Delicious 39 Milch 36 Erbsen tiefgefr. 47
Birne 42 Weißbrot 72 Nierenbohnen 33
Birne Dose 46 Vollkornbrot 50 Cornflakes 83
Orange 43 Kartoffel gekocht 60 Haferflocken gekocht 63
Orangensaft 49 Kartoffelbrei 72 Haferflocken 40

GI zwischen 70-100 % (Index hoch) = rascher und hoher Blutzuckeranstieg
GI zwischen 55-70 % (Index mittel) = mäßiger Anstieg des Blutzucker
GI unter 55% (Index niedrig) = flacher und geringer Anstieg des Blutzuckers


Um auch die Menge der verzehrten Kohlenhydrate und deren Wirkung zu berücksichtigen, wurde in letzter Zeit der Begriff "Glykämische Last" eingeführt. Die sogenannte "GL" bezieht sich auf die Wirkung einer "Standardportion" eines kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittel. Sie wird allgemein als praxisgerechter empfunden im Vergleich zum Glykämische Index.

Warum wird die Verwendbarkeit des Glykämischen Index oder der Glykämischen Last jedoch bezweifelt ? Die Zuordnung in % verändert sich durch zahlreiche Faktoren wie

Zusammenstellung der Mahlzeit (z.B. Brot mit Belag)
Tageszeit
Alter
Geschlecht
Körpergewicht
Tagesverfassung
Verarbeitungsgrad
Zubereitungsart ( roh , gekocht, gebraten , gebacken )
Sorte ( z. B. Kartoffelsorte )


Diese Auflistung zeigt, wie einfach ein kohlenhydrathaltiges Nahrungsmittel in seiner Wirkung auf den Blutzucker verändert werden kann. Dies zeigt aber auch, wie schnell solche Tabellen für die Praxis unbrauchbar werden. Aber wie kaum ein anderes Thema zur Zeit spaltet diese "Wiedergeburt" des Glykämischen Index die Experten. Verschiedene Wissenschaftler glauben, dass die Kohlenhydrate mit einem hohen Index, Diabetes und koronare Herzerkrankungen begünstigen. Die WHO sieht daher eine Kost mit niedrigem Glykämischen Index für die Allgemeinbevölkerung durchaus von Vorteil. US-Fachgesellschaften halten hingegen die Bedeutung des GI als nicht ausreichend belegt.

Diabetesentstehung und der Glykämische Index Bevor der Diabetes Typ 2 diagnostiziert wird, geht in der Regel eine Phase der Insulinunempfindlichkeit und eine vermehrte Insulinausschüttung voraus. Die Frage ist derzeit, ob eine Nahrung mit hohem GI/GL diese Entwicklung begünstigt. Diskutiert wird auch, ob durch diese starken Insulinausschüttungen es langfristig zum vorzeitigen Erschöpfen der insulinbildenen Zellen führt . Aber die wenigen klinischen Studien die es bislang gibt, zeigen keine eindeutigen Zusammenhänge auf.

Diabetes und der Glykämische Index Die Deutsche Diabetesgesellschaft (DDG) hat auf den Jahreskongress 2005 in Berlin eine Stellungnahme zu diesem Thema veröffentlicht. In der heißt es:

"Glykämischer Index, Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index sind eine geeignete kohlenhydratreiche Wahl, vorausgesetzt, dass die anderen Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel angemessen sind "

Zusammenfassung: Wie oben bereits erwähnt wird heute empfohlen Lebensmittel zu bevorzugen, die einen niedrigen GI/GL haben. Betrachtet man sich diese Lebensmittel ( Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte..) mal genauer , so entspricht das in etwa dem bekannten Konzept einer gesunden Kost (Mittelmeerkost, Vollwertkost) . Außerdem gelten die Angaben in diesen Tabellen nur für den alleinigen Verzehr eines Nahrungsmittel. Ein Lebensmittel wird aber nur selten "isoliert" gegessen, deshalb ist der Glykämische Index oder die Glykämische Last für den Blutzuckerverlauf nach dem Essen eher eine theoretische Angabe.

Stand September 2005

Quelle: Birgit Adam, Diabetesberaterin DDG, St. Josefskrankenhaus Heidelberg


Diabeteszentrum Heidelberg e.V., September 2005


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