Diabeteszentrum Heidelberg e.V.
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Hochdruck und Typ-2-Diabetes

Prof. C. Hasslacher , St. Josefskrankenhaus ,Heidelberg

Der Hochdruck wird beim Patienten mit Diabetes gerne als "schlechter Begleiter" bezeichnet. Dies zurecht, denn er bestimmt in ganz entscheidender Weise neben der Stoffwechseleinstellung die Entwicklung von Gefäßkomplikationen: je höher der Blutdruck, umso höher ist das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch Nierenschäden - diesen Zusammenhang haben viele Untersuchungen gezeigt!

Leider ist der Hochdruck kein seltener Begleiter: je nach Alter und Diabetesdauer findet man ihn in 50 -70 % bei Patienten mit Diabetes. Dabei wissen viele Patienten nicht, dass sie eine behandlungsbedürftigen Blutdruck haben!

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Der erhöhte Blutdruck lässt sich heute mit Medikamenten sehr gut behandeln. Und besonders erfreulich: der Patient mit Diabetes profitiert wesentlich stärker von einer guten Blutdruckeinstellung als ein Hochdruckpatient ohne Diabetes!

Es lohnt sich also, etwas dafür zu tun!

Wann ist ein Blutdruck zu hoch?

Der Blutdruck wird durch zwei Werte festgelegt, z.B. 130/80 mm/Hg. Der höhere Wert gibt den Druck im Kreislaufsystem an, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und dabei das Blut in die Arterien pumpt. In der Fachsprache ist dies der systolische Blutdruck.

Der niedrigere Werte beschreibt den Druck im Körper, wenn der Herzmuskel entspannt ist und sich wieder mit Blut füllt. Dieser Wert wird diastolischer Blutdruck genannt.

Der systolische Blutdruck beschreibt somit die Spitzenbelastung, der diastolische die Dauerbelastung für Herz und Gefäße. Für die Entstehung von druckbedingten Folgeerkrankungen sind beide Blutdruckwerte gleichermaßen wichtig.

Die Grenzen zwischen normalem und erhöhtem Blutdruck hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich neu festgelegt. Die Grenzen sind in der Tabelle 1 wiedergegeben. Demnach liegt ein Hochdruck vor, wenn der Wert von 140/90 mm/Hg überschritten wird.

Wichtig zu wissen ist, dass der Blutdruck im Tages- und Nachtverlauf ganz erheblich schwankt. Stress, körperliche Belastungen, Trauer oder Freude lassen ihn steigen oder fallen. Deshalb kann man aus einem einmal erhöht gemessenen Blutdruckwert nicht schon auf einen bestehenden Hochdruck schließen. Es sind Kontrollmessungen nötig: erst wenn mindestens 2 Messungen über 140/90 mm/Hg liegen, kann man von einem Hochdruck sprechen.

Diese Kontrollmessungen sollten nicht nur in der Arztpraxis, sondern auch zuhause oder auch am Arbeitsplatz vorgenommen werden. Es gibt nicht wenige Menschen, bei denen der Blutdruck bei einer Messung in der Praxis oder im Krankenhaus vor Aufregung schon ansteigt - ein Phänomen, das gar nicht so selten bei Patienten mit Diabetes nachweisbar ist.

Die beste Methode um eine solche"Praxishypertonie" auszuschließen, ist eine 24 Std.-Blutdruckmessung. Hohe Blutdruckwerte in der Praxis normalisieren sich dann außerhalb von ganz alleine - oder auch nicht, wenn wirklich ein Hochdruck vorliegt.

Aus vielen Untersuchungen wissen wir, dass Gefäßschäden nicht erst ab einem Blutdruck von > 140/90 mm/Hg auftreten, sondern durchaus auch früher. Deshalb hat die WHO auch nicht nur den Hochdruck, sondern auch den normalen Blutdruck in mehrere Kategorien eingeteilt.

Bei Menschen mit zusätzlichen Erkrankungen, die das Herz-Kreislaufrisiko erhöhen - und dazu gehört natürlich auch der Diabetes - können blutdrucksenkende Maßnahmen bereits im sog. hoch- normalen Bereich (130-139 mm/Hg oder 85-89 mm/Hg) sinnvoll sein.

Wie kann der Blutdruck gesenkt werden?

Es gibt nicht-medikamentöse und medikamentöse Maßnahmen. Unter den nicht-medikamentösen Maßnahmen ist seit langem bekannt:
Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Schon einige wenige Pfunde genügen, um den Blutdruck sinken zu lassen. Wir alle wissen, dass dies nicht "über Nacht" funktioniert, sondern Tage und Wochen benötigt. Dabei schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe: es geht nicht nur der erhöhte Blutdruck herunter, auch der Diabetes lässt sich besser einstellen, die Fette normalisieren sich, die sonst so belasteten Füße und Knie tun nicht mehr so weh, man fühlt sich einfach besser. Tipps, wie dies im Einzelfall am besten umzusetzen ist, erhalten Sie an vielen Stellen: beim Arzt, in der Ernährungsberatung, bei Krankenkassen, Volkshochschulen, in Zeitschriften etc..
Mehr Bewegung!
Wir wissen es: regelmäßige körperliche Aktivität lässt den Blutdruck insgesamt abfallen. Geht man es sportlich angeht, muss man die richtige Aktivität wählen: Ausdauersportarten sind generell besser als Sportarten mit Spitzenbelastungen. Fragen Sie am besten Ihren Arzt, oder schließen Sie sich einer Sportgruppe an. Man kann sich aber auch im Alltag ganz einfach mehr bewegen: Auto stehenlassen, Rolltreppen und Fahrstühle meiden und dafür seine eigenen Beine benutzen!
Nicht soviel Kochsalz!
Um dies umzusetzen, braucht man keine Tabellen oder Bücher: einfach den Salzstreuer vom Tisch verbannen, kein "Konservenessen", möglichst kein Salzgebäck zum Fernsehen abends. Durch diese einfachen Maßnahmen lässt sich der Blutdruck sicher um 5-10 mm/Hg senken! Auch wenn der Blutdruck durch diese nicht medikamentösen Maßnahmen oft nicht ausreichend abgesenkt wird - sie sind trotzdem wesentlich, da sie die evtl. notwendige medikamentöse Therapie unterstützen.
Medikamentöse Therapie
Unter den blutdrucksenkenden Mitteln gibt es verschiedene Substanzgruppen, die sich durch ihren Wirkungsmechanismus unterscheiden. Leider kennt man die Ursache des Hypertonus bei den meisten Patienten mit Diabetes nicht. So ist es oft schwierig, den für den Einzelnen besten Wirkstoff herauszufinden. Nicht selten sind auch Kombinationen verschiedener Wirkstoffe notwendig, wenn eine Einzelne nicht zur ausreichenden Blutdrucksenkung führt. Entscheidend ist natürlich hier die Mitarbeit des Patienten. Das beste und teuerste Medikament nützt nichts, wenn es vom Patienten nicht auch eingenommen wird!

Wie tief sollte der Blutdruck abgesenkt werden?

Viele Untersuchungen, auch bei Patienten mit Diabetes, haben gezeigt: je tiefer die erreichten Werte sind, umso besser ist es für das Herz- und Gefäßsystem. Als Richtschnur haben verschiedene Fachgesellschaften einen Wert um oder unter 130/80 mm/Hg genannt, der als "Zielwert" angestrebt werden sollte.

Der Zielwert der Blutdruckbehandlung muss jedoch bei jedem einzelnen Patienten individuell festgelegt werden. Bestehen schon Begleiterkrankungen, wie z.B. Durchblutungsstörungen der Beine und des Gehirns, können solch niedrige Blutdruckwerte in der Regel nicht erreicht werden - hier muss man Kompromisse eingehen.

Wichtig ist jedoch , dass man nicht versucht, diese Ziele über Nacht zu erreichen! Im Gegenteil, die Absenkung erhöhter Blutdruckwerte sollte langsam erfolgen, damit sich der Körper darauf einstellen kann und es nicht zu den sonst häufigen Nebenerscheinungen, wie Müdigkeit, Schwindelgefühl kommt. Treten solche Nebenerscheinungen auf, sollten Sie gleich mit Ihrem Arzt sprechen, anstatt die Medikamente einfach wegzulassen. Damit ist dann nichts gewonnen.

Ganz entscheidend: Die Blutdruckselbstkontolle

Heute gibt es eine Vielzahl von Blutdruckmessgeräten, mit denen man sich ohne Probleme am Oberarm oder am Handgelenk den Blutdruck selbst messen kann. Die meisten Krankenkassen erstatten auch die Anschaffung eines solchen Gerätes, wenn Ihr Arzt Ihnen die Notwendigkeit bescheinigt. Die 2-malige Selbstmessung des Blutdrucks morgens und abends wird für die Routinekontrolle als ausreichend angesehen. Es ist nur notwendig, dass die gemessenen Werte aufgeschrieben werden, damit sich Ihr Arzt ein genaues Bild über den Blutdruckverlauf machen kann.

Wichtig für den Patienten mit Diabetes ist aber auch der Blutdruckverlauf in der Nacht. Normalerweise sinkt der Blutdruck hier um 10-20% gegenüber dem Tageswert ab. Bei Patienten mit Diabetes fehlt nicht selten diese Nachtabsenkung, insbesondere bei Patienten mit Nierenschäden. Dies stellt für Herz und Gefäße eine erhebliche Mehrbelastung dar, die behandelt werden sollte.

Die Kontrolle des nächtlichen Blutdruckverlaufs ist natürlich nicht durch Selbstmessung möglich, hierfür gibt es die Langzeitblutdruckmessung. Auch wenn diese Meßmethode - insbesondere nachts - als nervig empfunden wird, brint sie doch die wesentliche Information über den Blutdruckverlauf zu dieser Zeit.

Tab. 1: Klassifikation des Blutdrucks (mmHg) entsprechend der World Health Organisation



Kategorie   Systolisch   Diastolisch

Optimal   < 120   < 80
Normal   < 130   < 85
Hochnormal   130-139   85-89
Hypertonie (mild)   140-159   90-99
Hypertonie (mäßig)   160-179   100-109
Hypertonie (schwer)   > 180   > 110
Isolierte systolische Hypertonie   > 140   < 90


Diabeteszentrum Heidelberg e.V., Oktober 2003


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