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Inkretin-Mimetika und Inkretin-Verstärker
Dr. med. D. Weise
St. Josefeskrankenhaus Heidelberg
Man weiß schon lange, dass unsere Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet, wenn wir Traubenzucker essen oder trinken, als wenn wir die gleiche Menge Traubenzucker über die Vene gespritzt bekommen. Ursache sind Hormone, die der Darm bei Nahrungsaufnahme ausschüttet: die sog. Inkretinhormone. Sie bewirken bei oraler Zuckeraufnahme eine ver-stärkte Insulinausscheidung.
Eines der Inkretinhormone ist das Glucagon-like-Peptid (GLP 1).
Was bewirkt GLP-1?
- Das Inkretinhormon GLP-1 wird aus dem Darm bedarfsgerecht nur bei erhöhtem Blutzucker abgegeben.
- Es stimuliert die Insulinausschüttung nach dem Essen.
- Es hemmt die Glucagonfreisetzung.
- Es verzögert die Magenentleerung.
- Es vermindert die Nahrungsaufnahme durch ein frühes Sättigungsgefühl und fördert dadurch die Gewichtsabnahme.
Beim Typ 2-Diabetes liegt neben dem Insulinmangel und der Insulinresistenz auch ein Mangel an GLP-1 vor. Es gibt zwei neue Medikamente, welche auf unterschiedlichem Weg die Konzentration des GLP-1 erhöhen
- Exenatide - im Handel als Byetta R - ist ein Eiweißkörper, der die GLP-1-Wirkung nachahmt (= Inkretin - Mimetikum). Dieses Medikament muß subkutan gespritzt werden.
- Sitagliptin - im Handel als JanuviaR - ist eine Substanz, die den Abbau von GLP-1 im Körper hemmt und so für höhere GLP-1 Spiegel sorgt (= Inkretin - Verstärker). Sie wird als Tablette genommen.
Welchen Vorteil haben die neuen Medikamente?
Sie senken den Blutzucker
- ohne erhöhte Unterzuckergefahr, weil GLP-1 nicht bei niedrigem Blutzucker abgegeben wird und so nicht den Insulinspiegel erhöht
- ohne Gewichtszunahme, weil über das Gehirn das Sättigungsgefühl beeinflusst wird.
- Unter Exenatide (Byetta) wurde in Studien bei vielen Patienten sogar eine Gewichtsabnahme beobachtet.
Wobei muss man aufpassen?
- Durch die verzögerte Magenentleerung kann die Wirkung anderer eingenommener Medikamente verändert werden
- Bei der Kombination mit Sulfonylharnstoff - Präparaten kann es dadurch auch schneller zu Unterzuckerungen kommen.
Wichtig: Die neuen Medikamente sind kein Ersatz für Insulin, wenn die Bauchspeicheldrüse selbst nicht mehr genügend Insulin bilden kann.
Exenatide (Byetta) und Sitagliptin (Januvia) im Vergleich:
Byetta:
- Exenatide muß wie Insulin subkutan gespritzt werden, dazu ist jedoch vorher keine Blutzuckerbestimmung nötig.
- Es gibt Fertigpens mit je 5ug oder 10ug Exenatide Injektionslösung pro Dosis.
- Gespritzt wird 2x täglich bis zu 60 Minuten vor dem Essen, nie nach einer Mahlzeit
- Gespritzt wird s.c. in den Bauch, den Oberschenkel oder den Oberarm.
- Der Abstand zwischen den beiden Spritzen muß mindestens 6 Stunden betragen
- Begonnen wird mit 2x5ug Byetta, nach 4 Wochen kann die Dosis auf 2x10ug gesteigert werden.
- Eine Anpassung der Dosis ist nicht notwendig, weder an den Blutzucker noch an körperliche Aktivität
- Zugelassen ist Byetta in der Kombination mit Metformin und/oder einem Sulfonylharnstoffpräparat. Nicht mit anderen oralen Antidiabetika, nicht mit Insulin.
- Nicht empfohlen wird Byetta bei Typ 1-Diabetes, deutlich eingeschränkter Nierenfunktion, bei älteren Menschen über 75 Jahre, während Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und Patienten mit chronischen Magen-Darmerkrankungen.
- Die häufigsten Nebenwirkungen sind Völlegefühl, Übelkeit und (seltner) auch Erbrechen. Unterzuckerungen können bei gleichzeitiger Einnahme eines Sulfonylharnstoffpräparates auftreten, daher muß dessen Dosierung evtl. reduziert werden.
Januvia:
- Sitagliptin gibt es in Tabletten zu 100mg.
- Sie werden 1x pro Tag nahrungsunabhängig eingenommen.
- Zugelassen ist Januvia in Kombination mit Metformin oder einem der sog. Thiazolidine (Actos, Avandia).
- Nicht empfohlen wird Januvia bei Typ 1-Diabetes, ab einer mittelgradig eingeschränkten Nierenfunktion, bei älteren Menschen über 75 Jahre, bei Kindern, während Schwangerschaft und Stillzeit
- Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Appetitlosigkeit sowie Müdigkeit.
Ausblick:
Die beiden Antidiabetika Byetta und Januvia arbeiten nach einem neuen vielversprechenden Wirkprinzip, sie erhöhen auf unterschiedliche Art das Inkretinhormon GLP-1. Dadurch scheint neben der Blutzuckersenkung auch das Gewichtsproblem positiv beeinflusst zu werden. Allerdings ist - wie bei allen neuen Medikamenten - der höhere Preis zu beachten.
Dr. med. Dagmar Weise
FÄ Inn. Med./Endokrinologie
Oberärztin der Med. Abteilung
St. Josefskrankenhaus Heidelberg
Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Heidelberg
(10/2007)
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