Patienten-Informationen
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Was ist möglich? |

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Mathias D. Brendel, Michael Eckhard, Reinhard G. Bretzel
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Die Transplantation von Bauchspeicheldrüse (Pankreas) oder Inselzellen ist derzeit das einzige Therapieverfahren, um erkrankte Bereiche der Bauchspeicheldrüse biologisch zu ersetzen und so beim Typ 1- Diabetes mellitus Insulinunabhängigkeit und normalen Blutzucker, die sogenannte Normoglykämie, zu erreichen.
Die Transplantation des Pankreas oder der Inselzellen eignet sich derzeit fast nur für Typ 1-Diabetiker mit chronischer Niereninsuffizienz und Dialysebehandlung; das heißt für Diabetiker, die auf ein Nierentransplantat warten oder bereits nierentransplantiert sind und daher sowieso immunsuppressiv behandelt werden müssen.
Der Nachteil der Inselzelltransplantation ist, dass der Empfänger sein ganzes Leben lang immunsuppressiv, das heißt abstoßungsunterdrückend behandelt werden und zusätzlich potenzielle Risiken in Kauf nehmen muss.
Während die Transplantation des Pankreas kompliziert und riskant ist, können Inselzellen durch einen kleinen und risikoarmen Eingriff transplantiert werden.
Die Inselzelltransplantation hat zudem den Vorteil, dass die fremden Eigenschaften der Spender-Inselzellen vor der Transplantation durch eine spezielle Behandlung abgeschwächt werden können.
Tierexperimente zeigen, dass nach der Transplantation keine oder nur eine vorübergehende abstoßungsunterdrückende Behandlung des Empfängers notwendig ist. Damit könnte die Indikation zur Inselzelltransplantation auch auf Typ 1-Diabetiker vor einer chronischen Niereninsuffizienz einschließlich diabetischer Kinder erweitert werden - Patienten, die die eigentliche Zielgruppe für diese Behandlungsmethode sind.
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Die 100jährige Geschichte der klinischen Inselzelltransplantation lässt sich in drei Zeitabschnitte gliedern:
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Bis 1968 erfolgte die Transplantation von ausschließlich mechanisch gewonnenen Pankreasfragmenten. |
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Im Tierexperiment wurden die Langerhansscher Inselzellen isoliert und ab 1974 bis etwa Mitte der Achtziger Jahre arbeiteten die Forscher daran, Inselzellen aus humanen Pankreasorganen abzusondern. |
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Heute lassen sich auch aus humanen Bauchspeicheldrüsen eine große Menge Langerhanssche Inselzellen isolieren.
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Bisher wurden Transplantationen der Inselzellen jedoch meist nur zeitgleich mit oder nach einer Nierentransplantation durchgeführt. Die vergangenen zehn Jahre haben gezeigt, dass hiermit auch beim Menschen prinzipiell eine Insulinunabhängigkeit erzielt werden kann, auch wenn dies bisher nur in wenigen Fällen längerfristig gelang.
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Die gegenwärtige Situation der klinischen Inselzelltransplantation bei Typ 1-Diabetes wird auf der Grundlage einer aktuellen Analyse des in Gießen geführten Internationalen Inseltransplantations Registers (ITR) berichtet und um eigene Erfahrungen am Zentrum Gießen ergänzt.
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Inselzelltransplantationen bei Patienten mit Typ 1-Diabetes |

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Die Inselzelltransplantation hat sich daran zu messen, ob
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mit ihr eine Stoffwechselnormalisierung und Insulinunabhängigkeit erreicht werden kann, |
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günstige Effekte auf diabetische Sekundärkomplikationen zu erwarten sind, |
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sich die Lebensqualität des Patienten verbessert und sich seine Lebenserwartung verlängert. |
Seit der ersten erfolgreichen experimentellen Transplantation isolierter Pankreasinseln bei diabetischen Ratten hat dieses Therapieverfahren die oben genannten Kriterien erfüllt. Die Versuche wurden über einen Zeitraum von 20 Jahren an Nagern und größeren Säugetieren durchgeführt.
Bis August 2002 sind im Inseltransplantationsregister (ITR) 493 Fälle von Transplantationen Langerhansscher Inselzellen von Erwachsenen bei Typ 1-Diabetikern erfasst. Inzwischen konnte bei 138 Patienten das maximale Therapieziel, die Insulinunabhängigkeit, erreicht werden.
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Inselzelltransplantationen am Zentrum Gießen |

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Nach mehr als 20jährigen experimentellen Vorarbeiten konnte ein klinisches Inselzelltransplantationsprogramm an der Klinik Gießen etabliert werden.
Bei 81 Patienten mit Typ 1-Diabetes - bei unterschiedlichen Indikationen und Vorliegen bestimmter Kriterien - führten wir bis August 2002 den Eingriff durch.
Dabei stammten, in den meisten Fällen die isolierten Inseln jeweils nur aus einem Spenderpankreas.
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Inselzelltransplantation nach Nierentransplantation (IAK) bei Patienten mit Typ 1-Diabetes |

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Zunächst wurden Transplantationen von Langerhansschen Inselzellen aus Bauchspeicheldrüsen von Erwachsenen ausschließlich bei Typ 1-Diabetikern durchgeführt, bei denen mindestens sechs Monate zuvor Nieren transplantiert wurden. Insgesamt erhielten am Zentrum Gießen bis heute 24 Patienten Inselzellen nach einer vorherigen Nierentransplantation eines anderen Spenders.
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Ein Inselzelltransplantatversagen trat in 12 Fällen nach 16 bis 301 Tagen ein. |
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In zehn Fällen hält die Inselzellfunktion mehr als ein Jahr an, der HbA1c-Wert liegt bei 6,9 Prozent. |
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Fünf Patienten wurden nach je 150, 280, 382, 382 und 400 Tagen insulinunabhängig. |
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Die übrigen fünf Patienten haben einen deutlich niedrigeren Tagesbedarf an Insulin als vorher (18 Einheiten gegenüber 50 Einheiten). |
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In einem Fall trat ein Nierenversagen bedingt durch eine chronische Abstoßungsreaktion auf, das jedoch nicht mit der Transplantation in Zusammenhang stand. |
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Simultane Inselzell-Nieren-Transplantation (SIK) bei Patienten mit Typ 1-Diabetes |

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Von 1994 bis August 2002 haben wir bei insgesamt 45 Patienten eine Niere und innerhalb weniger Tage auch Inselzellen vom gleichen Spender in die Leber transplantiert.
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Auch bei diesen Empfängern konnte eine primäre Inselzellfunktion in allen Fällen erzielt werden. |
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In 33 Fällen hält die Inselzellfunktion mehr als ein Jahr an und der HbA1c-Wert liegt bei 7,2 Prozent. |
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Sieben Patienten wurden nach einem dreiviertel bis 1,5 Jahren insulinunabhängig. |
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25 Patienten haben einen deutlich niedrigeren Insulintagesbedarf als zuvor (durchschnittlich 22 Einheiten versus 40). |
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Schlussfolgerungen |

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Inzwischen ist eindrucksvoll belegt, dass transplantierte Langerhanssche Inselzellen aktiv bleiben und sich damit bei einer Reihe von Patienten längerfristig eine Insulinunabhängigkeit erreichen lässt.
Gegenwärtige Zielgruppe unter den Diabetikern sind entsprechend der Indikation für eine Pankreasorgantransplantation dialysebehandelte Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1, für die eine Indikation zur Nierentransplantation besteht oder solche Patienten, bei denen bereits eine Niere transplantiert wurde sowie Patienten, bei denen aufgrund ausgeprägter Hypoglykämiewahrnehmungs- und Gegenregulationsstörungen häufig schwere Unterzuckerungen eintreten.
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Kontakt |

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Dr. med Mathias D. Brendel
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Universitätsklinikum der Justus-Liebig Universität
Rodthohl 6, 35385 Gießen
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Diabeteszentrum Heidelberg e.V., August 2004
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