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Früherkennung der diabetischen Nephropathie

Prof. C. Hasslacher, St. Josefskrankenhaus Heidelberg

Es trifft nicht jeden! 50 bis 70 % der Diabetiker entwickeln niemals Nierenschäden. Wer erkrankt, darüber entscheiden zu einen die Erbanlagen, zum anderen aber auch Faktoren wie die Güte der Blutzucker- und der Blutdruckeinstellung.

Bislang gibt es noch keine Möglichkeit zu erkennen, wer aufgrund seiner Erbanlagen gefährdet ist, eine diabetische Nephropathie zu entwickeln. Gäbe es diese Möglichkeit, wäre dies natürlich ideal, denn dann könnten Arzt und Patient bei den besonders Gefährdeten von Anfang an auf eine intensive Behandlung des Diabetes achten.

Im Moment bleibt jedoch nur, besonders aufmerksam nach Frühzeichen der sich entwickelnden Nierenschädigung zu suchen, um noch rechtzeitig eingreifen zu können.

Eine Nephropathie tut nicht weh!

Sie kündigt sich auch nicht durch Symptome wie Beschwerden beim Wasserlassen, Müdigkeit oder Kopfweh an. Selbst Blutwerte, die über die Nierenfunktion Auskunft geben, wie das sogenannte Kreatinin, bleiben jahrelang normal, selbst wenn der Diabetes bereits begonnen hat, die Nieren zu schädigen.

Das früheste Zeichen, das einen Hinweis auf eine diabetesbedingte Nierenschädigung gibt, ist das Auftreten einer Mikroalbuminurie. Wenn die Filtrationsfähigkeit der Nierenkörperchen bereits eingeschränkt ist und Blutzellen und Eiweißkörper, wie das Albumin, die ansonsten gar nicht oder nur in geringer Konzentration in den Urin gelangen, dort plötzlich nachweisbar sind, ist dies ein Alarmzeichen.

Liegt die Albuminkonzentration im Urin bei 20 bis 200 mg pro Liter, wird dies als Mikro-Albumin-Urie (also eigentlich: Wenig Albumin im Urin) bezeichnet. Bei einem weiteren Ansteigen der Albuminausscheidung spricht man von einer Makro-Albuminurie (viel Albumin im Urin).

Wichtig: Die Mikroalbuminurie ist kein harmloses Zeichen! Dahinter kann eine Nierenschädigung stecken. Die frühzeitige Erkennung ist wesentlich, um noch rechtzeitig eingreifen zu können!

Tab. 1: Albuminkonzentration im Urin

Normoalbuminurie   unter 20 mg/l
Mikroalbuminurie   20 bis 200 mg/l
Makroalbuminurie   über 200 mg/l

Wie wird eine Mikroalbuminurie nachgewiesen?

Um eine Mikroalbuminurie festzustellen, gibt es heute verschiedene Schnelltests, die innerhalb von wenigen Minuten sicher anzeigen, ob sich winzige Mengen Albumin im Urin befinden. Solche Tests sind in jeder Arztpraxis möglich. Wurde Eiweiß gefunden, sollte das Ergebnis des Schnelltests jedoch immer durch eine exakte Messung der Albuminkonzentration im Labor bestätigt werden.

Die Bestimmung der Albuminkonzentration kann manchmal ungenau sein, da sie nicht nur von der Menge des ausgeschiedenen Albumins, sondern auch von der Urinmenge abhängt. Bei Menschen, die z.B. sehr viel Flüssigkeit vor Abgabe der Urinprobe zu sich genommen haben, kommt es zu einem Verdünnungseffekt, so dass die Albuminkonzentration eventuell zu niedrig gemessen wird. Um solche Fehler auszugleichen, kann die Albuminkonzentration zum ebenfalls im Urin ausgeschiedene Kreatinin ins Verhältnis gesetzt werden.

Wichtig: Nicht jede Mikroalbuminurie ist gleichbedeutend mit einer beginnenden Nephropathie! Ein "positiver" Test sollte wiederholt werden.

Nicht nur bei diabetes-bedingter Schädigung scheidet die Niere Albumin aus, auch körperliche Anstrengung, Harnwegsinfekte, hoher Blutdruck, ein schlecht eingestellter Diabetes oder Fieber können die Ursache von Eiweiß im Urin sein. Wenn diese Faktoren beseitigt sind, verschwindet in der Regel auch das Albumin wieder aus dem Harn.

Um sicher zu sein, dass es sich tatsächlich um eine beginnende diabetische Nephropathie handelt, sollte daher ein Mikroalbuminurietest, bei dem Eiweiß gefunden wurde, im Abstand von zwei bis vier Wochen wiederholt werden. Ist er dann immer noch "positiv", ist dies wahrscheinlich das Anzeichen für eine beginnende Nierenschädigung.

Übrigens ist die Mikroalbuminurie nicht nur ein Zeichen für eine Nephropathie. Studien belegen, dass Menschen mit Mikroalbuminurie im Vergleich zur übrigen Bevölkerung ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung, etwa für einen Herzinfarkt, haben.

Wann und bei wem soll auf Mikroalbuminurie getestet werden?

An sich kann jeder zu einer beliebigen Tageszeit gesammelte Urin untersucht werden. Vielfach hat sich jedoch bewährt, dazu den ersten Morgenurin zu nehmen, da in der Ruhephase der Nacht zuvor in der Regel konstante Vorbedingungen geherrscht haben.

Bei Patienten mit Typ 1-Diabetes lautet die Experten-Empfehlung ab dem fünften Jahr nach der Diabetesdiagnose einmal jährlich einen Mikroalbuminurie-Test vorzunehmen. Bei Kindern wird in der Regel mit dem Einsetzen der Pubertät damit begonnen.

Bei Patienten mit Typ 2-Diabetes sollte am besten gleich bei Diagnosestellung des Diabetes mit den Tests begonnen werden, denn viele haben zuvor schon jahrelang zu hohe Blutzuckerwerte gehabt, ohne dass sie davon wussten.

Was man selbst tun kann:

Erinnern Sie Ihren Arzt an die einmal jährliche Mikroalbuminurie-Untersuchung! Ihr Auto melden Sie ja schließlich auch regelmäßig zur Inspektion an! Wenn Sie einen Diabetespass haben, ist der Test dort aufgeführt. Wird im Urin wiederholt Albumin nachgewiesen, muss die Behandlung - sowohl in punkto Blutzucker- als auch Blutdruck-Einstellung - unbedingt intensiviert werden!



Diabeteszentrum Heidelberg e.V., Oktober 2003


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