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Patienten-Informationen
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Heute gibt es keine Zweifel mehr, dass die beiden Wurzeln des Typ 2 Diabetes zu einem in der Insulinresistenz
(verminderte Insulinempfindlichkeit) und zum anderen in der nachlassenden Funktion der insulinbildenden Zellen
(so gen. Inselzellen) liegen. Zum Zeitpunkt der Diagnose eines Typ 2 Diabetes ist die Leistung der Beta Zelle
bereits um 50 % reduziert.
Ein zentrales Anliegen der Forschung war es bisher, diesen vollständigen Untergang der insulinproduzierenden
Zellen zu stoppen. Ein Hormon aus einer Echse scheint das weitere Absterben möglicherweise verhindern zu
können, lesen Sie hier....
- Was für ein Prinzip steckt hinter diesem Wirkstoff ?
Schon in den 60er Jahren wurde entdeckt, dass ein Mensch nach oraler Aufnahme von Traubenzucker mehr
Insulin abgibt, als nach Verabreichung der selben Menge in die Vene. Darauf folgerte man, dass es im
Magen- Darm- Trakt Stoffe geben musste, die die Insulinausschüttung verstärkten. Man fand
die verantwortlichen Hormone die Gruppe der sogenannten Inkretine : GLP-1 und GIP. Letzteres erwies sich
für Menschen mit Diabetes als nicht so effektiv.
- Wie wirkt GLP - 1 ?
GLP-1 ist ein Hormon, dass nach dem Essen vom Dünndarm abgegeben wird. Es bewirkt eine mahlzeiten-
angepasste Insulinabgabe, wodurch der Blutzucker gesenkt wird, ohne dass Unterzuckerungen auftreten.
Außerdem hemmt es die Neubildung von Zucker aus der Leber, verzögert die Magenentleerung und
reduziert den Appetit.
- Was hat das GLP nun mit dem Diabetes zu tun ?
Die Forscher haben festgestellt, dass Menschen mit Typ 2 Diabetes eine verminderte Ausschüttung
und Wirkung dieses Hormons aufweisen.
- Dann wäre dieses Hormon GLP-1 also das ideale Antidiabetikum für Typ 2 - Diabetiker ?
Das natürliche GLP-1 wird leider innerhalb weniger Minuten durch ein anderes Enzym zerstört.
Für eine effektive Therapie des Typ 2- Diabetes müsste das Hormon aber länger wirksam sein.
Die Forschung setzte sodann ihren Schwerpunkt darauf den Abbau des Hormons zu verzögern und es so
"unangreifbar" zu machen oder den Angreifer zu unterbinden. Aber per Zufall ergab sich eine
andere "natürliche" Lösung: Man entdeckte im Speichel einer amerikanischen Echsenart
ein vergleichbaren unangreifbaren Wirkstoff- das Exendin.
- Welche Eigenschaften hat Exendin ?
Der zentrale Vorteil besteht darin , dass die körpereigene Insulinabgabe exakt nach der Stärke
des Blutzuckeranstiegs angekurbelt wird- kommt ein starker Zuckerreiz, wird auch viel Insulin ausgeschüttet
und umgekehrt. Das bedeutet also auch, es kann nicht zu Unterzuckerungen kommen. Es normalisiert den Blutzucker
nach dem Essen, auch den Nüchtern- Blutzucker.
Der zweite große Vorteil besteht darin, dass es eine Gewichtsabnahme fördert, weil es das
Sättigungsgefühl verlängert.
Im Tierexperiment konnte sogar beobachtet werden, dass diese Substanz sogar die Neubildung von Beta-Zellen
anregt und sich dadurch die Bauchspeicheldrüse in gewissem Maße wieder "regenerieren"
könnte . Versuche beim Menschen liegen aber derzeit noch nicht vor.
- Wie wird das Präparat verabreicht ?
Ähnlich wie Insulin wird es unter die Haut gespritzt. Im Gegensatz zur Insulintherapie spielen die
Spritzstellen dabei keine Rolle.. Dosisanpassungen an die Mahlzeitengröße oder an die Höhe
des Blutzucker sind nicht erforderlich. Es wird eine feste Dosis- ein bis zwei mal täglich injiziert.
- Wann wird voraussichtlich dieser Wirkstoff auf den Markt kommen ?
Das erste Medikament dieser Klasse wird voraussichtlich unter dem Namen "Exenatide" von der Firma
Lilly auf den Markt kommen. Vorrausichtlich dieses Jahr.
- Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten ?
Die Verträglichkeit ist gut. Als häufigste Nebenwirkung wurde eine vorübergehende Übelkeit
zu Beginn der Therapie genannt.
Zusammenfassend sei zu sagen, dass es sich bei dem Wirkstoff Exendin um eine zukunftsversprechende Substanz
handeln könnte. Hier wäre ein neuer Ansatz gefunden, die körpereigene und mahlzeitenangepasste
Insulinabgabe weitgehend zu erhalten, ohne ein erhöhtes Unterzuckerungsrisiko in Kauf zu nehmen.
Ein anderer zentraler Vorteil ist auch , dass es bei der Gewichtsabnahme unterstützend mitwirkt. Exendin
bietet sich daher besonders als Behandlungsoption für Patienten mit Typ-2-Diabetes an, wenn sich unter der
herkömmlichen medikamentösen Therapie keine zufriedenstellende Stoffwechseleinstellung erzielen
lässt.
Stand Mai 2005
Quelle: Birgit Adam, Diabetesberaterin DDG, St. Josefskrankenhaus Heidelberg
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Diabeteszentrum Heidelberg e.V., Juni 2005
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