
|
Wein auf ärztliche Anweisung tranken Typ-2-Diabetiker für eine israelische Studie. Zuvor hatten die Studienteilnehmer abstinent gelebt. Doch sobald sie begannen, abends regelmäßig einen Schoppen zu sich zu nehmen, sank ihr Blutzucker, ihr Wohlbefinden stieg und sie schliefen besser. Jedoch blieb der Konsum mit etwa einem Achtel Wein pro Abend moderat. Die positiven Effekte des Rebensaftes überzeugten viele der früheren Abstinenzler: Nach drei Monaten Studie wollte über die Hälfte nicht mehr auf den alkoholhaltigen Abendtrunk verzichten.
Der Wein am Abend führte zu einem guten Blutzucker-Start in den nächsten Tag: Die Ergebnisse der morgendlichen Nüchtern-Blutzucker-Messung verbesserten sich am deutlichsten. Zudem profitierten die Patienten mit höheren HbA1c-Ausgangswerten besonders vom Weingenuss, so Dr. Iris Shai, Ben-Gurion Universität, Beer-Sheva, Israel, bei der Vorstellung der Studie auf dem europäischen Diabeteskongress in Amsterdam.
Für die Untersuchung überzeugten die Forscher 109 Typ-2-Diabetiker im Alter zwischen 40 und 74 Jahren, drei Monate lang entweder ein Glas Wein oder ein alkoholfreies Diät-Malzbier zum Abendessen zu trinken. Erstaunlicherweise war die Zahl der Studienabbrecher unter den Malzbier-Trinkern deutlich höher, als unter den Wein-Trinkern. Die ungewöhnliche Diät wurde von den Wissenschaftlern streng überwacht – schließlich sollte niemand über den Durst trinken. Insgesamt 91 Teilnehmer hielten sich an die Regeln.
Das Diät-Malzbier änderte über die Studiendauer nichts an den Blutzuckerwerten. Die Wirkung des Rebensafts auf den morgendlichen Nüchternblutzucker war jedoch eindeutig: Die Werte verbesserten sich während der dreimonatigen Weindiät von etwa 140 mg/dl (7,8 mmol/l) auf 118 mg/dl (6,6 mmol/l). Negative Auswirkungen hatte der moderate Alkoholkonsum dagegen nicht. So blieben z.B. die Leberwerte konstant. Ein weiterer Unterschied wurde dagegen deutlich: Die Weintrinker schliefen einfach besser.
Trotz dieser vorteilhaften Ergebnisse möchten die Forscher ihre Studie noch nicht verallgemeinern: Es sei zu früh, allen Typ-2-Diabetikern abends ein Glas Wein zu empfehlen, betonten sie in Amsterdam. Weitere Studien, über mehr als drei Monate, müssten den Langzeiteffekt zuvor bestätigen. Typ-2-Diabetiker sollten also mit ihrem Arzt Rücksprache halten, um ein mögliches Risiko für ihre Gesundheit auszuschließen. 61 Prozent der Wein-Trinker aus der israelischen Studie möchten indes beim abendlichen Ritual bleiben.
Sonja Böhm
Medizin- und Wissenschaftsjournalistin
Marktplatz 9
69469 Weinheim
|