Patienten-Informationen
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Heidelberger Diabetikertag 16.10.2004 |

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Ein Artikel von Prof. H. Laube, Gießen
Diabetiker leiden vor allem unter den Langzeitfolgen ihrer Erkrankung. Insbesondere Typ 2 Diabetiker gelten als kardiovaskuläre Hochrisikopatienten, bei denen Herzinfarkte 3 mal häufiger auftreten und zu einem vorzeitigen Tod führen können.
Mitverantwortlich dafür ist neben einem häufig erhöhten Blutdruck und einer Fettstoffwechselstörung die Dauer der Erkrankung und die Qualität der Blutzucker/ HbA1c - Einstellung.
Große europäische Studien (CODE-2 Studie) haben in den letzten Jahren gezeigt, dass das vorrangige Behandlungsziel, nämlich ein HbA1c-Wert von unter 7 %, bei den meisten Patienten aber nicht erreicht wird, obwohl bei der Tabletten und Insulinbehandlung die modernsten und wirkungsvollsten Medikamente zur Verfügung stehen.
Die Ursachen dafür sind vielfältig und komplex. Ein wesentlicher Punkt liegt in unserer modernen Lebensweise mit Über- und Fehlernährung sowie Bewegungsmangel.
Dadurch entsteht eine verringerte Wirkung des körpereigenen Insulins, eine Insulinresistenz, die einer erbliche Veranlagung zum Diabetes begünstigt zum Durchbruch verhilft und gleichzeitig die Stoffwechseleinstellung erschwert.
Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass bisher sämtliche antidiabetischen Medikamente nicht die Ursachen sondern nur die Symptome der Zuckerkrankheit behandeln.
Es überrascht daher nicht, dass seit jeher versucht wird, neue Medikamente und bessere Wirkprinzipien zur Behandlung des Diabetes zu finden. So wird seit vielen Jahren vor allem in den Ländern der Dritten Welt über blutzuckersenkende/antidiabetisch wirkende Naturstoffe (Pflanzeninhaltsstoffe) geforscht.
In der internationalen Literatur gibt es dazu inzwischen mehr als 2000 Veröffentlichungen und eine Liste von mehr als 100 blutzuckersenkenden Substanzen. Das große Interesse an diesen Stoffen erklärt sich mit der auch in diesen Ländern schnell zunehmenden Zahl an Diabetikern und den niedrigeren Kosten solcher Phytopharmaka.
Exemplarisch sollen dazu nur 3 Substanzen erwähnt werden: Aloe vera, Grapefruit und Zimt.
Aloe vera, aus einer mexikanischen Kaktusart gewonnen, wird schon seit langem für verschiedene Erkrankungen empfohlen. Jetzt konnte gezeigt werden, dass Blattextrakte auch den Blutzucker zu senken vermögen (Phytotherapy Research:15(2):157;2001).
Ein ähnlicher Effekt konnte auch für Grapefruitsaft nachgewiesen werden, der die Insulinwirkung verbessert und den Blutzucker bei Typ 2 Diabetikern senkt (Diabetes suppl 2:A591 und :594; 2004).
Ein therapeutischer Nutzen für Diabetiker durch Zimt war erstmals vermutet worden, als eine Wirkung auf die Insulin-Signalübertragung von Zellen nachgewiesen werden konnte (J.Horm.Res. 50:177 1998) und ein Insulin-ähnlicher Effekt an Fettzellen gezeigt wurde (J.Am Coll. Nutr.20:327;2001).
Diese Beobachtung veranlasste jetzt eine Gruppe an Wissenschaftlern in Pakistan, Typ 2 Diabetiker mit Nüchternblutzuckerwerten bis 400 mg%! zusätzlich zu einer Therapie mit Glibenclamid mit unterschiedlichen Mengen eines Zimtextraktes zu behandeln.
Dabei ergab sich innerhalb von 40 Tage eine Blutzuckersenkung von 18 -29 % und eine Senkung des Cholesterins um 13 -26 % (Diabetes Care 26; 32115;2003). Auffällig war, dass keine Dosisabhängigkeit bestand.
Die Effekte waren für 1, 3 und 6 g Zimt täglich identisch. Über die eigentlich wirksamen Inhaltsstoffe wurde nichts berichtet. Kritisch muss auch angemerkt werden, dass keine Untersuchungen vorliegen wie Zimt sich bei Diabetikern auswirkt, die keine antidiabetischen Medikation einnehmen.
Das Problem unerwünschter Nebenwirkungen bei Langzeitbehandlung wurde nicht angesprochen. Daten zur Langzeitsicherheit liegen nicht vor. Eine Wirkung auf Folgeerkrankungen muss erst noch gezeigt werden.
Unter der Berücksichtigung, dass Naturprodukte sich in ihren Inhaltsstoffen quantitativ unterscheiden, abhängig von Standort, Ernte und Wetterbedingungen, ist eine Standardisierung deshalb dringend erforderlich.
Sowohl der Ausschuss "Pharmakotherapie" der Deutschen Diabetes Gesellschaft als auch die Fachzeitschrift "arznei-telegramm" (35:115.2004) raten daher von einer Einnahme des teuren (Tageskosten 1 Euro für 3 Kapseln) "diätetischen Lebensmittels" ab.
Dies muss auch für die erwähnten Extrakte aus Grapefruit und Aloe vera gelten. Diese Therapieformen werden von den Kassen nicht bezahlt.
Vielmehr muss in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung einer vernünftige Ernährung hingewiesen werden, wie sie von den Fachgesellschaften seit Jahren gefordert wird. Eine richtige Ernährung ist die beste Form der oralen Diabetesverhinderung und Diabetesbehandlung.
Sie ist eine Ursachen-orientierte Therapie. Sie kann gleichzeitig mehrere mit dem Diabetes verbundene Stoffwechselstörungen verbessern und ist vom Kosten-Nutzen Aspekt besonders günstig.
Wichtigstes Ziel von Ernährungsempfehlungen bei Diabetes ist die Vermeidung bzw. Verzögerung von Folgeerkrankungen, insbesondere einer Schädigung der Blutgefäße. Die Ernährung von Diabetikern muss vor Arteriosklerose schützen und möglichst wenig atherogene gesättigte- und Transfettsäuren enthalten:
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| Optimale Ernährung bei Diabetes |
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Kohlenhydrate (mit niedrigem glyk. Index) und
einfach unges. Fette: |
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60 - 70 cal% |
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| Ges. und gehärtete Transfettsäuren: |
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< 10 cal% |
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| Mehrfach unges. Fette: |
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< 10 cal% |
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| Eiweiß: |
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10 - 20 cal% |
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| Ballaststoffe: |
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> 40 cal% |
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Kohlenhydrate sind für die Ernährung aller Menschen, auch von Diabetikern essentiell. Kohlenhydrate sind der wichtigste Energielieferant für Gehirn und Zentralnervensystem. Nahrungsmittel, die Kohlenhydrate enthalten sind eine wichtige Quelle für wasserlösliche Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe.
Eine "low carb" Diät mit weniger als 130 g Kohlenhydraten täglich ist daher nicht zu empfehlen. In Bezug auf die Blutzuckerwirksamkeit gilt jedoch:
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Kohlenhydrate sind jedoch nicht gleich Kohlenhydrate |

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Das richtet sich nach ihrer derzeitigen Therapieart und ihrem Therapieziel:
In Bezug auf die Blutzuckerwirksamkeit/glykämischen Index sind zu unterscheiden:
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Stärke - in Brot/Kartoffeln, Reis |
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Zucker - Haushaltszucker, Fruchtzucker,Traubenzucker |
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Zuckeraustauschstoffe - Sorbit, Mannit, Xylit |
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Ballaststoffe - in Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte und Obst |
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Zur Stabilisierung des Blutzuckers ist es aber notwendig Kohlenhydrate zu bevorzugen, die nur einen geringen glykämischen Index haben. Besonders Vollkornprodukte sollten wegen ihres hohen Ballaststoffanteils bevorzugt werden.
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Vollkornprodukte sind empfehlenswert! |

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Vollkornprodukte aus Hafer, braunen Reis, Gerste und Weizen sind reich an:
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Ballaststoffen, |
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antioxidativen Vitaminen, |
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Magnesium, |
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phytochemischen Substanzen |
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und neigen zu niedrigerem p.p. Blutzucker und Insulinanstieg. |
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Die Diabetesinzidenz wird durch Vollkornprodukte (slow food) verringert: |
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Raffinierte KH (Zucker) erhöhen hingegen das Diabetesrisiko. |
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Diätetische Lebensmittel mit Zuckeraustauschstoffen sind für Diabetiker hingegen von keinem besonderen Vorteil:
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Diätetische Lebensmittel |

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Es gibt keine Lebensmittel die für die Behandlung des Diabetes besonders geeignet sind. |
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Besondere Diätprodukte, wie Diät-Schokolade, Diät-Marmelade,
Diabetikerwein/-bier oder Glyx-Brot sind nicht zu empfehlen. |
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Insbesondere bei Übergewicht sollten eher energielose Süßstoffe und bei Normalgewicht kleine Mengen an Zucker verwendet werden. Süßstoffe sind sicher, solange sie in normaler Menge, wie von der FDA empfohlen (ADI) zugeführt werden. |
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Bei den Fetten ist es für Diabetiker wichtig solche zu vermeiden, die ein hohes Arterioskleroserisiko aufweisen. Dazu gehören vor allem die gesättigten und die gehärteten "Transfettsäuren".
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Fett ist nicht gleich Fett |

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Zu unterscheiden sind:
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gesättigte Fette
(meist tierische Fette) |
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Trans-Fettsäuren
(gehärtete Fette in Margarinen und nach Braten/Kochen) |
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einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA)
vorrangig in: Olivenöl -Rapsöl - Distelöl |
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mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA)
w-6 Fettsäuren (Linolsäure)
w-3 Fettsäuren (Fischöl) |
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Eine extrem fettreiche Kost (Atkinsdiät) bietet zur Gewichtsabnahme anfänglich leichte Vorteile. Sie ist auch für Diabetiker offensichtlich unschädlich. Eine Anwendung über längere Zeit sollte jedoch unbedingt vermieden werden.
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Atkinsdiät zum Abnehmen?
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Unter einer fett- und eiweißreichen Kost nehmen Patienten anfänglich mehr ab als unter einer kohlenhydratreichen Kost. |
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Dadurch sinkt der Nüchternblutzucker, das HbA1c und der Serum-Insulinspiegel. Die Insulinwirkung wird verstärkt. Die Fettwerte im Blut bessern sich deutlich. |
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Atkinsdiät ist offenbar unschädlich aber nur kurzfristig wirksam! |
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Da wir jedoch keine isolierten Nahrungsmittel sondern gemischte Mahlzeiten essen, kommt die traditionelle Mittelmeerkost den heutigen Vorstellungen einer idealen Ernährung, auch von Diabetikern, am nächsten.
Alles in Maßen: Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index (Spaghetti), viel Ballaststoffe (Frisches Obst, Gemüse, Salat), einfach ungesättigte Fettsäuren (Olivenöl), w-3 Fettsäuren (Fisch) und wenig Alkohol (1/4 Rotwein) sind für den Stoffwechsel wie für die Lebensqualität optimal. Extrem- und Aussenseiterdiäten sollten hingegen unbedingt vermieden werden.
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Diabeteszentrum Heidelberg e.V., Dezember 2004
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